|
Von Arnim fordert
Änderung des Wahlrechts.
Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters
Von Thorsten Severin
Der Staatsrechtler Hans
Herbert von Arnim hat nach dem knappen Ausgang der Bundestagswahl eine
Änderung des Wahlrechts gefordert.
Das geltende
Verhältniswahlrecht führe dazu, dass viele kleine Parteien eine
Regierungsbildung verhindern könnten, wie sich jetzt am neuen
Linksbündnis zeige, sagt Arnim am Montag der Nachrichtenagentur Reuters
in Speyer. "Wir haben jetzt eine Situation, die wir uns schlechter
gar nicht vorstellen können, und die ist systembedingt", kritisierte
der Rechts- und Verwaltungsexperte. Ein Mehrheitswahlrecht schaffe dagegen
solide Mehrheiten. "Da wir handlungsfähige Parlament und Regierungen
in der jetzigen Lage unbedingt brauchen, sollten wir diesen Kraftakt
ernsthaft in Angriff nehmen", forderte Arnim. Dazu brauche es aber
eine Absprache zwischen den großen Parteien, also wohl eine große
Koalition.
"Wir haben jetzt
eine noch sehr viel unsichere Situation als vor der Vertrauensfrage von
Kanzler (Gerhard) Schröder, weil nun die neue Linke eine Schlüsselrolle
im negativen Sinne einnimmt", sagte Arnim weiter. Sie verhindere,
dass sowohl Rot-Grün wie auch Union und FDP eine Mehrheit bekämen.
"Die Lage ist jetzt noch unklarer, und die Mehrheit ist jetzt sehr
viel schwerer herzustellen als vorher", fügte er hinzu. Daher sehe
es nach erneuten Neuwahlen aus. Allerdings bestehe die Gefahr, dass
dadurch erneut keine regierungsfähige Mehrheit zu Stande kommen werde.
Nach Ansicht des
Staatsrechtlers kommt Bundespräsident Horst Köhler nun wie bei der
Vertrauensfrage eine zentrale Rolle zu. Wenn der von ihm vorgeschlagene
Kandidat im ersten Wahlgang nicht die absolute Mehrheit bekommt, kann im
zweiten Wahlgang auch ein weiterer Kandidat antreten. Erreichen beide
nicht die absolute Mehrheit, richt im dritten Wahlgang die relative
Mehrheit. Der Bundespräsident kann dann entscheiden, ob er den Kandidaten
ernennt oder Neuwahlen ansetzt. Er gehe davon aus, dass Köhler als
"ehrlicher Makler" Gespräche mit den Fraktionen führen werde,
sagte Arnim.
Bei der Wahl am Sonntag
gab es weder für Union und FDP noch für SPD und Grüne eine Mehrheit.
Daher wird in den Führungsgremien der Parteien über die Optionen große
Koalition, "Ampel" aus SPD, FDP und Grünen und "schwarze
Ampel" aus Union, FDP und Grünen debattiert.
(Gespräch mit der Nachrichtenagentur
Reuters vom 19.09.2005)
 |
Stand:
22.09.2005
|
|