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Inhalt
Einleitung
Diener vieler Herren
Die Doppel- und Dreifachversorgung von
Politikern
Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf. München
1998
ISBN 3-426-77372-4
Inhalt
Einleitung
1. Kapitel: Einführung
Managergehälter - Meßlatte für
Politiker?
Der Sold des Politikers - intransparent und
durch die Hintertür
2. Kapitel: Abgeordnete
Einheitsbezahlung - auch für ganz junge
Abgeordnete
Der Brandenburger Diätenfall -
Abgeordnete als schlechte Vorbilder
Der Thüringer Diätenfall -
in eigener Sache dynamisiert sich’s leicht
Bayern - Schlaraffenland für
Landespolitiker
Der Bonner Diätenfall - Eigennutz und schöner
Schein
Der Fall Cornelia Yzer - mit Mitte 30
ausgesorgt
Das Landtagsmandat als Pfründe
Zweiteinkommen - am Finanzamt vorbei
3. Kapitel: Regierungsmitglieder
Privilegien von Ministern
Parlamentarische Staatssekretäre - teuer
und überflüssig
Roß und Reiter - 25 Beispiele
4. Kapitel: Politische Beamte
Der vergoldete (einstweilige) Ruhestand
Roß und Reiter - 32 Beispiele
5. Kapitel: Die Versorgung kommunaler
Wahlbeamter............115
6. Kapitel: Die Überversorgung von
Politikern
Politikerpensionen: zu schnell, zu früh,
zu viel
Übergangsgelder: Relikte aus vergangener
Zeit
7. Kapitel: Das System der Mehrfachbezüge
Wie staatliche Einkommen kumuliert werden
Regierungschefs als bezahlte
Abgeordnete
Bürgermeister als bezahlte Abgeordnete
Zulagen für Abgeordnete mit besonderen
Parlamentsämtern
Wenn Abgeordnete zugleich Ruheständler sind
Mehrere Pensionen gleichzeitig
Das Besondere von Sonderzuwendungen
Dienen privat bezahlte Volksvertreter noch
dem Gemeinwohl?
8.Kapitel: Wie die Bezahlung von
Politikern sinnvollerweise
geregelt werden sollte
Überblick
Abgeordnete
Abbau der Überversorgung des Bundespräsidenten
Minister und Parlamentarische Staatssekretäre
Politische Beamte
Kommunale Wahlbeamte
Strenge Anrechnungsvorschriften
Dank
Anhang
Tabellen, Schaubilder und Übersichten
Anmerkungen
Einleitung
»Am Gelde hängt, zum Gelde drängt doch alles.« Diese Binsenweisheit
trifft natürlich auch für Berufspolitiker zu. Interessant daran
ist, daß sich in der Bezahlung und Versorgung von Berufspolitikern
deutlicher als in vielen anderen Punkten zeigt, wie es um unser
Gemeinwesen bestellt ist, und es spiegeln sich darin sogar
charakteristische Merkmale der Art und Weise, wie Politik heutzutage
verstanden und betrieben wird: Anstößig sind nicht die offenen Bezüge
von Politikern, sondern ihre zum Teil steuerfreien Zweit- und
Dritteinkommen, ihre überzogenen Übergangsgelder und hohen Versorgungen
schon nach kurzer Zeit, die die Staatskasse plündern, die Empfänger in
Abhängigkeit bringen, ihr Ansehen und ihre Glaubwürdigkeit ramponieren
und ihnen die politische Gestaltungskraft nehmen. Wenn Exekutivspitzen
gleichzeitig dem Parlament angehören, das sie zu kontrollieren hat, wenn
wirtschaftliche Interessenten sich Abgeordnete kaufen, ist eine
unvoreingenommene Wahrnehmung der gemeinwohlbezogenen Amtsaufgaben nicht
mehr möglich. Solche Interessenverquickungen sind von Übel. Niemand kann
gleichzeitig mehreren Herren dienen.
Zur Bürgernähe gehört, daß die Gesetze in ihrer majestätischen
Gleichheit auch auf die Politiker selbst angewandt werden.
Privilegierungen der Volksvertreter entbehren nicht nur beim großen
Lauschangriff der Rechtfertigung. Es kann nicht sein, daß jeder
Steuerzahler seine Aufwendungen dem Finanzamt akribisch belegen muß,
nicht aber Abgeordnete oder Minister mit ihren Pauschalen, von denen
Normalverdiener nur träumen können. Es kann nicht sein, daß die Masse
der Bürger um die Finanzierbarkeit ihrer Renten bangt, Politiker für
sich selbst aber immer verrücktere Versorgungen anhäufen. Hier tut sich
eine Schere zwischen der Alterssicherung der Bürger und der politischen
Klasse auf, die um so brisanter wird, je deutlicher die Rentenversicherung
und die allgemeine Beamtenversorgung abspecken müssen. Nur wenn Politiker
selbst unter den von ihnen gemachten Gesetzen leiden und ihre
Ungerechtigkeit und mangelnde Praktikabilität am eigenen Leib erfahren, können
sie sich in die Bürger hineinversetzen. Sie würden dann auch merken, wo
der Schuh drückt, und hätten die nötige Motivation, um Reformen
voranzutreiben.
Wenn das Wort von Bundespräsident Herzog, bei den anstehenden Reformen
gehe es weniger um ein Erkenntnisproblem als vielmehr um ein
Umsetzungsproblem, irgendwo zutrifft, dann vorrangig bei der Versorgung
von Politikern. Schon den Inhalt der bestehenden Gesetze zu erfassen
verlangt erhebliche Anstrengungen. Das liegt an ihrer undurchdringlichen
Kompliziertheit und Verschachtelung. Man braucht dafür gleich eine
Vielzahl von Spezialisten: Beamtenrechtler, Gemeinderechtler,
Parlamentsrechtler und Steuerrechtler. Wenn der Zugang aber schon für
gelernte Juristen erschwert ist, gilt dies erst recht für Angehörige
anderer Staats- und der Politikwissenschaften -vom normalen Bürger ganz
zu schweigen.
Die Undurchsichtigkeit wird dadurch vertieft, daß jedes Land die
Versorgung seiner Abgeordneten und Minister gesondert festlegt. Zu
bestimmten Zeiten hat sich beinahe so etwas wie ein Privilegienwettlauf
entwickelt, der den Gedanken des Föderalismus ad absurdum führt. Die
Vielzahl besoldeter Ämter im Bund, in den Ländern und Kommunen, die alle
mit einer großzügigen Altersversorgung verbunden sind, verführt fast
dazu, verschiedene Ämter im Laufe einer politischen Karriere
aneinanderzureihen und - bei häufig unzureichenden
Verrechnungsvorschriften - Pensionen und Übergangsgelder daraus zu
sammeln: als Bürgermeister einer Stadt, als politischer Beamter oder als
Minister erst in einem Land, dann in einem anderen, schließlich im Bund
oder in der Europäischen Union.
Die Kompliziertheit hat ebenso System wie die vielfältigen Möglichkeiten
des Kumulierens von Versorgungen: Beides hängt damit zusammen, daß
Politiker die einzige Berufsgruppe sind, die über ihre Bezüge selbst
entscheidet und dabei gleichzeitig versucht, das ganze Ausmaß ihrer
Verdienstmöglichkeiten vor der Öffentlichkeit zu verbergen.
Öffentlichkeit ist hier also doppelt nötig, wenn Druck in Richtung auf
die erforderlichen Reformen entstehen soll. Das setzt voraus, daß die
komplizierten Gesetze in allgemeinverständliches Deutsch übersetzt
werden, und bedingt eine Darstellungsweise, die die Probleme möglichst
handgreiflich macht: In diesem Buch werden daher auch exemplarische
Einzelfälle aufgeführt und Roß und Reiter klar benannt. (Schwerer zu
lesende Tabellen und Übersichten sind in den Anhang gestellt worden.) Das
Buch erschöpft sich aber nicht in Einzelfällen, vielmehr bleibt die
Gesamtproblematik in ihren verschiedenen Verästelungen und politischen
Auswirkungen stets im Blick, und am Ende sind die nötigen Gesetzesänderungen
im Zusammenhang aufgelistet.
In den letzten ein bis zwei Jahren hat die Opposition im Bundestag,
besonders die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen, mehrere Gesetzentwürfe
zu Teilthemen dieses Buches vorgelegt. Das ist sehr zu begrüßen, obwohl
die Reformvorschläge bisher stets von der Mehrheit niedergestimmt wurden.
Abgeordnete wie Gerhard Häfner sehen die verheerende Wirkung überzogener
Politikerprivilegien und meinen es ernst mit ihrer Beseitigung. Derartige
Initiativen würden jedoch an Durchschlagskraft und die Gesamtpartei an
Glaubwürdigkeit gewinnen, wenn die Grünen sich für die nötigen
Reformen nicht nur auf Bundesebene stark machten, sondern auch auf der
Ebene derjenigen Bundesländer, wo sie (zusammen mit ihren
Koalitionspartnern) auch die Mehrheit haben, um die nötigen Reformen zu
verwirklichen. Dieses Buch legt deshalb einen Schwerpunkt auch auf die
einschlägigen Regelungen der Länder und betont zugleich die übergreifende
Systematik.
Das Buch wird bewußt vor der Bundestagswahl 1998 (und den Landtagswahlen
in Bayern und Mecklenburg-Vorpommern) veröffentlicht. Der Bundestag und
der Bayerische Landtag warten nur darauf, nach den Wahlen noch weiter
aufzustocken, und haben diese Absicht sogar schriftlich niedergelegt. Von
einem Abbau der Privilegien dürfte dann erst recht keine Rede mehr sein -
auch nicht in anderen Parlamenten. Die Diskussion muß deshalb vorgezogen
werden und jetzt auf den Tisch, auch wenn dies der politischen Klasse
nicht paßt. In der Vorwahlzeit ist sie in erhöhtem Maße ansprechbar und
muß notgedrungen auch auf Probleme ihrer eigenen Bezahlung eingehen und
eventuell wirkliche Reformen in Aussicht stellen. In
Wahlkampfveranstaltungen können Fragen nach Auswüchsen bei der eigenen
Bezahlung nicht so leicht beiseite gewischt werden, wie Politiker das
sonst gerne tun. Darin liegt auch ein Grund, warum der Verfasser es mit
diesem Buch so eilig hatte - nur ein halbes Jahr ist seit dem Erscheinen
seines Buches "Fetter Bauch regiert nicht gem. Die politische Klasse
- selbstbezogen und abgehoben" (Kindler Verlag) verstrichen. Dadurch
wird aber auch das vorliegende Buch von der Darstellung verwandter
Probleme - wie etwa der Rekrutierung und der Leistung von Politikern oder
der Rolle von verfassungsrechtlichen Institutionen - thematisch entlastet
und kann sich deshalb ganz auf die Doppel- und Dreifachbezahlung und
Mehrfachversorgung von Politikern konzentrieren und auf die damit
verbundenen Probleme des Spagats zwischen verschiedenen Brötchengebern.
Ein weiterer Grund, warum das Thema jetzt aufgegriffen wird, liegt darin,
daß das Bundesverfassungsgericht seine Kontrollaufgabe in Sachen
Politikerversorgungen in den letzten Jahren eher zu vernachlässigen
scheint. Die Prozesse, die Abgeordnete der Grünen in Rheinland-Pfalz und
Thüringen angestrengt haben, sind seit 1991 in Karlsruhe anhängig. Ankündigungen
des Gerichts über voraussichtliche Entscheidungstermine sind immer wieder
hinausgeschoben worden.
Um so wichtiger erscheint es, die öffentliche Kontrolle zu aktivieren,
wozu vor allem die Medien gehören - aber auch jeder einzelne Bürger.
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