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Speyerer Qualitätswettbewerb 1998
Kurzbeschreibung
der Speyer-Preisträger
Gemeinde
Seekirchen
Die
kleine Gemeinde Seekirchen im Land Salzburg überzeugt durch ihre
weit fortgeschrittene Umsetzung der Verwaltungsmodernisierung. In
regelmäßigen, gemeinsamen Klausuren von Verwaltungsführung und
Politik werden neue Ziele und Projekte festgelegt sowie laufende
Projekte analysiert. Damit ist es gelungen, alle Fraktionen
einzubinden und zu einer Verbesserung des Verhältnisses zwischen
Verwaltung und Politik beizutragen. Durch die Projektteams kommt es
zu einer Stärkung demokratischer Elemente. Zu den besprochenen
Themen werden jeweils auch betroffene Bürger und Experten
eingeladen.
Die Verwaltung der Gemeinde Seekirchen orientiert sich an den Bedürfnissen
und Wünschen der Bürger. Es finden zum Beispiel laufend
Kundenbefragungen statt, deren Ergebnisse in die Gestaltung der
Verwaltung-Bürger-Beziehungen einfließen. Als Modellgemeinde für
das Bundesland Salzburg entwickelt Seekirchen einen einheitlichen
Produktkatalog, wobei dieser als Grundlage für Vergleiche zwischen
verschiedenen Kommunen dient.
Stadt
Spittal
In
der Kärntner Stadtgemeinde Spittal an der Drau finden die Wünsche
der Bürger besondere Berücksichtigung. In den Wartezonen der Ämter
gibt es Spielecken für Kinder. In enger Kooperation mit der örtlichen
Wirtschaft sind einige soziale Projekte angestoßen worden (z.B.
"Family-Card". "Start-Card" für Neugeborene,
Sonderfond "Spittaler in Not").
Die Stadt Spittal arbeitet sehr eng mit dem Studiengang
"Kommunales Management" der Fachhochschule Kärnten
zusammen. Zwischen den Beschäftigten der Stadt und den Studierenden
ist dadurch ein ständiger Austausch entstanden.
Durch die Entwicklung von Kennzahlen für die gesamte Verwaltung
werden die eigenen Leistungen transparenter und die Verwaltung
besser steuerbar. Spittal nimmt eine Vorreiterrolle im Rahmen des
interkommunalen Vergleichsrings Kärnten ein.
Stadt
Passau
Bereits
zum zweiten Mal erhält die Stadt Passau den
"Speyer-Preis". Schon 1994 war die niederbayerische
Kommune für ihre gelungene Modernisierung ausgezeichnet worden.
Damals hatte das mit breiter Beteiligung von Bürgern und
Ratsmitgliedern erarbeitete Leitbild besonders beeindruckt.
Beim 4. Speyerer Qualitätswettbewerb überzeugte Passau durch seine
breit angelegte Reform: Unter dem Motto "Dienststellen werden
zu Unternehmen" können die ehemaligen Abteilungen selbständig
wirtschaften. Dabei können die Mitarbeiter ihr unternehmerisches
Talent entfalten. In Passau weiß man inzwischen genau, was die
einzelnen Leistungen kosten. Dank einer Kosten- und
Leistungsrechnung, die auf der kaufmännischen Buchführung aufbaut,
können die "Unternehmen" der Stadtverwaltung gezielter
sparen. Außerdem arbeitet die Verwaltung mit einem strategischen
Zielsystem.
Die Stadt Passau setzt darauf, die Bürgerinnen und Bürger in die
Planung von Baumaßnahmen in ihrem Stadtteil einzubeziehen. Deshalb
arbeiten die Planer der Stadtverwaltung frühzeitig mit Anwohnern
zusammen.
Stadt
Nordhorn
In
Nordhorn beginnt die Reform bei den Mitarbeiterinnen und
Mitarbeitern. Seit Beginn der Modernisierung setzt die
Stadtverwaltung darauf, die Beschäftigten zu motivieren, sich aktiv
zu beteiligen. In verschiedenen Gremien innerhalb der Verwaltung
arbeiten die Bediensteten daran mit, moderne Management-Instrumente
zu entwickeln und einzuführen. Besonderer Wert wird auf zeitgemäße
Personalführung gelegt. Mit Hilfe einer Kosten- und
Leistungsrechnung soll das Kostenbewusstsein bei den Mitarbeitern
gestärkt werden. Die Dienststellen rüsten sich dafür, künftig
mit Privaten wettbewerbsfähig zu sein.
Die Modernisierung wird auch von den Ratsfraktionen getragen. Alle
Stadträte sind über Computer an das Rathaus angeschlossen, so dass
sie ohne Verzögerung alle wichtigen Informationen aus der
Verwaltung erhalten. Vorschläge für weitere Reformen kommen auch
aus den Fraktionen: Auf Beschluss des Stadtrates muss sich der
Bauhof in zwei Jahren der Konkurrenz mit anderen Anbietern stellen.
Stadt
Dortmund
Mit
rund 8.000 Beschäftigten hat die Stadtverwaltung Dortmund die Größe
eines Konzerns. Das Neue Steuerungsmodell ist in den meisten Ämtern
bereits eingeführt. Bei der Modernisierung orientiert sich die
Verwaltung an Privatunternehmen: Dank einer flächendeckenden,
EDV-gestützten Kosten- und Leistungsrechnung wissen alle Ämter,
wie viel ihre Leistungen tatsächlich kosten. Diese Informationen
sind jederzeit abrufbar und werden bei der täglichen Arbeit in
hohem Ausmaß genutzt.
Controlling, Qualitätsmanagement und Zielvereinbarungen sind in
Dortmund bereits weitgehend verwirklicht. Dies wirkt sich sowohl äußerst
positiv auf die Verwirklichung der Verwaltungsziele als auch auf die
Motivation der Mitarbeiter aus. Auch der Frauenförderungsgedanke
ist in Dortmund vorbildlich verankert.
Die Reform bringt dadurch erhebliche Vorteile für Bürger und
Mitarbeiter. In Dortmund wird die Kundenorientierung sehr ernst
genommen. Die Besucher der Ämter werden nach ihren Wünschen
befragt. Die Ergebnisse fließen in die Planung für die "Bürgerbüros"
ein.
Bezirkshauptmannschaft
Zell am See
Die
Vergabe eines "Speyer-Preises" honoriert die Breite und
Konsequenz der Modernisierung der Bezirkshauptmannschaft Zell am
See. Vor dem Hintergrund sehr traditionell geprägter
Verwaltungsstrukturen erscheint die Reform besonders bemerkenswert.
Ein Symbol für den frischen Wind in den Zeller Amtsstuben ist die
Begrenzung der Amtsdauer der Bezirkshauptfrau durch diese selbst bei
einem ansonsten auf Lebenszeit angelegten Amt. Dies demonstriert die
Energie und den Willen zur Veränderung in der
Bezirkshauptmannschaft. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind
aktiv und intensiv an der Modernisierung beteiligt.
Auffallend ist die ausgeprägte Kundenorientierung. So erhalten die
Bürger einen Reisepass oder Führerschein in weniger als 20 Minuten
ab Beantragung. Zudem ist ein gutes "Bürgerleitsystem"
entwickelt worden. Auch die Einführung moderner
betriebswirtschaftlicher Instrumente ist sehr weitgehend in Zell am
See verwirklicht.
Amt
für Wirtschaft und Arbeit Kanton Solothurn
Das
Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Solothurn nimmt die
regionalen Aufgaben auf den Gebieten Arbeitsmarktverwaltung,
Wirtschaftsförderung, Energieförderung und Arbeitsinspektorat
wahr. Dieses Amt ist vor vier Jahren neu strukturiert worden und
verfügt über insgesamt elf Standorte im Kanton. Neben der
gelungenen Einführung betriebswirtschaftlicher Instrumente fiel
besonders auf, dass das Amt eine Reihe von zukunftsweisenden Ideen
verwirklicht hat (z.B. bessere Struktur der Arbeitslosenvermittlung
vor Ort, Transferorganisation bei Massenentlassungen, eigener
Ausbildungsbetrieb im Gastgewerbe, Ausschreibung eines nationalen
Design-Preises). Beeindruckend ist der relativ kurze Zeitraum, in
dem dieser hohe Modernisierungsstandard erreicht werden konnte.
Die Orientierung an den Wünschen und Bedürfnissen der Kunden wird
überzeugend gelebt. Kooperationen und Partnerschaften mit Firmen
sind neben systematischen Kundenbefragungen (z.B. "Erwerbslose
Menschen beurteilen ein Amt") Beispiele hierfür.
Daneben beeindruckt der ausgesprochen offen wirkende Umgang der
Mitarbeiter und Führungskräfte untereinander. Mit der offiziellen
Ablehnung der "Nullfehler-Mentalität" wird ausdrücklich
der Mut zum Risiko bei der Erprobung neuer Methoden gefördert.
Tiefbauamt
Kanton Bern
Das
Tiefbauamt betreut das Landes- und Nationalstraßennetz sowie den
Hochwasserschutz des Kantons Bern. Gegliedert ist es in eine
zentrale Dienststelle sowie vier Bezirksorganisationen, welche mit
vierzehn Werkhöfen den gesamten Kanton betreuen. Im Berner
Tiefbauamt wurde eine umfassende Dezentralisierung von Aufgaben und
Verantwortung verwirklicht. Zwischen den Werkhöfen finden ständig
Vergleiche statt, was die Mitarbeiter zu einem "sportlichen
Wettkampf" untereinander motiviert. Besonders beeindruckt die
dadurch mögliche effiziente Leistungserbringung. So gelingt es dem
Tiefbauamt gleichzeitig, Kosten zu sparen.
Für die Entschärfung verkehrsreicher Ortsdurchfahrten und ähnlicher
Projekte wurde das sogenannte "Berner Modell" entwickelt.
Dank seiner gelebten Partizipationsmöglichkeiten und einer
deutlichen Qualitätsverbesserungen für die Bevölkerung
(Kreisverkehr statt Kreuzungen, Rückbau der Fahrbahnen) hat es
bereits national und international Beachtung gefunden.
Die Vergabe eines "Speyer-Preises" honoriert insbesondere
die Leistung des Tiefbauamts auf dem Weg zu einer effizienten und
kostenorientierten Verwaltung sowie die besonderen Erfolge und
herausragende Bürgerorientierung des "Berner Modells".
Kanton
Zürich
Bei
der Verwaltungsreform des Kanton Zürichs handelt es sich um eine
sehr umfassende, ganzheitliche Reform nach den Prinzipien des New
Public Management. Sie besticht durch das hohe Niveau der Planung
und Umsetzung der einzelnen Modernisierungsschritte. Die
Verwaltungsreform wurde 1995 vom Regierungsrat des Kantons Zürich
gestartet; seitdem wird sie durch verschiedene Projekte in vielen
kantonalen Bereichen vorangetrieben. Besonders eindrucksvoll ist in
Zürich der Grundsatz verwirklicht, die Verwaltungsmodernisierung
dezentral umzusetzen, bei einem gleichzeitig sehr hoch entwickelten
Niveau der zentralen Unterstützung. Es ist gelungen, ein hohes
Ausmaß an Koordination und Information über die einzelnen Projekte
hinweg sicherzustellen; die komplexe, aber klare Projektorganisation
unterstützt dies.
Die Verwaltungsreform des Kantons Zürich zielt auf schnelle und
dauerhafte Lösungen, Erfahrungen aus den Reformprojekten fließen
direkt in weitere Projekte ein. So ist in Zürich das Prinzip "Learning
by doing" tatsächlich verwirklicht. Die Umsetzung der
Verwaltungsreform ist bereits sehr weit fortgeschritten und kann als
herausragendes Beispiel für andere Verwaltungen im Bereich der
kantonalen bzw. Landesverwaltung dienen.
Hervorzuheben ist zudem, dass die Verwaltungsreform eng mit einer
Parlamentsreform verknüpft ist. Auch die Gemeinden des Kantons sind
in die Verwaltungsreform einbezogen.
Studienbeihilfenbehörde
Wien
Österreichischen
Studierenden ist die Studienbeihilfenbehörde bestens bekannt. Sie
ist zuständig für die Förderung von besonders begabten und von
bedürftigen jungen Menschen. Die Zentrale in Wien und die
Dienststellen in Graz, Klagenfurt, Innsbruck, Salzburg und Linz
bewilligen pro Jahr rund 50.000 Studienbeihilfen sowie 22.000
Beihilfen für ein Auslandsstudium.
Die Modernisierung in der Studienbeihilfenbehörde ist konsequent
darauf ausgerichtet, den Studierenden den Weg zur Studienförderung
so einfach und so kurz wie möglich zu machen. Das wird durch eine
intensive Schulung der Mitarbeiter, durch Fehlerkontrollen und durch
die ständige Überarbeitung von Arbeitsabläufen gewährleistet.
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Studienbeihilfenbehörde
verstehen sich als Partner der Studenten. Deshalb arbeiten sie
intensiv mit der Hörervertretung zusammen. Auch gegenüber anderen
Behörden machen sie sich zum Fürsprecher ihrer "Kunden".
Amt
Preetz-Land
Das
Amt Preetz-Land erledigt die Verwaltungsaufgaben für 17 Dörfer mit
insgesamt 9.500 Einwohnern. Um die Schwächen in der Zusammenarbeit
zwischen der Verwaltung und den 162 Gemeindevertretern abzubauen,
haben 50 Ratsmitglieder und die 19 Beschäftigten der Verwaltung
gemeinsam neue Organisationsstrukturen anhand der Methode
"Organisationsentwicklung" erarbeitet. Dadurch hat sich
auch die Arbeitsweise der Ratsmitglieder und der Verwaltung verändert
und verbessert.
Anstelle einer Vielzahl von Fachausschüssen hat jede Gemeinde im
Amt Preetz-Land nun zwei Ausschüsse: Im Strategieausschuss werden
die Ziele festgelegt, anschließend diskutieren die Mitglieder des
Projektausschusses zum Beispiel über die Einzelheiten beim Bau von
Spielplätzen oder bei der Erneuerung von Gehwegen. An der Umsetzung
der Projekte beteiligen sich auch Dorfbewohner.
In der Verwaltung wurde die Hierarchie radikal abgebaut. Die Beschäftigten
arbeiten in drei Teams, die ihre Aufgaben jeweils eigenständig
organisieren.
Kurzbeschreibung
der Projektpreisträger
Stadt
Wyk auf Föhr: "Ziel- und Ressourcencontrolling"
Aufgrund
ihrer sehr angespannten Haushaltslage hat sich die Stadt Wyk dazu
entschlossen, einen neuen, intelligenten Weg beim Sparen
einzuschlagen. Die mancherorts praktizierte "Rasenmähermethode",
durch die Leistungen gekürzt oder gestrichen werden, gehört in Wyk
der Vergangenheit an. Die Leistungen, die die Stadt ihren Bürgern
anbieten möchte, werden von den politischen Fraktionen mittels
eines Punktesystems bewertet, und dementsprechend werden die Mittel
für ihre Erbringung bereitgestellt. Dadurch kommt es verstärkt zu
Diskussionen zwischen den Parteien über die Notwendigkeit und
Dringlichkeit der kommunalen Leistungen. Mit Hilfe dieses durch
moderne Software unterstützten Verfahrens ist es in Wyk gelungen,
zu sachorientierten Sparbeschlüssen zu gelangen. Das Verfahren
bietet weitere Vorteile: Insbesondere die Politikerinnen und
Politiker loben, dass es zu einer verbesserten Zusammenarbeit
zwischen dem Stadtrat und der Verwaltung gekommen ist. Mit der
Vergabe des Speyerer "Projekt-Preises" wird die eigenständige,
innovative Wyker Vorgehensweise honoriert, die auch in anderen
Verwaltungen so oder ähnlich Verwendung finden könnte.
Stadt
Mannheim: "priMA" Prozessverbesserung
in Mannheim
Die
Mitarbeiter wissen am besten, wie sie ihre Aufgaben schneller,
reibungsloser und kostengünstiger erledigen können. So lautet der
Grundgedanke des Projekts "priMA", Prozessverbesserung in
Mannheim. Die Stadtverwaltung greift damit eine Methode aus Japan
auf, die in vielen Industrieunternehmen genutzt wird: "Kaizen",
auf deutsch: Veränderung zum Guten.
Innerhalb von drei Tagen haben Teams unter anderem Lösungen für
den Kurierdienst bei der Feuerwehr, Spielregeln für die Nutzung von
Dienstwagen und ein neues System für die Aktenablage erarbeitet.
Dadurch spart der Bürger Zeit und die Stadtverwaltung Geld.
Die Vorschläge der Teams werden sofort verwirklicht: Binnen eines
Monats ändern die Beschäftigten gemeinsam alle notwendigen
Formulare und Vorschriften und informieren ihre Kollegen. Seit 1995
haben 150 Gruppen aus 25 Ämtern ihre eigene Arbeit effektiver
gemacht.
Stadt
Rüsselsheim: "wirkungsorientierter Produktkatalog"
Der
Stadt Rüsselsheim gelang der Aufbau und die flächendeckende Einführung
eines Steuerungssystems, das sich an den Ergebnissen und Wirkungen
des Verwaltungshandelns ausrichtet. Es wurden flächendeckend
Produkte sowie Indikatoren für alle wesentlichen städtischen
Bereiche gebildet. Ein Managementinformationssystem erlaubt die
strategische Nutzung der Daten. Dieses steht sowohl den Beschäftigten
als auch den Stadtverordneten zur Verfügung. Die Politikerinnen und
Politiker haben damit die Möglichkeit, aktuelle relevante Daten für
ihre politische Arbeit zu bekommen. Sie können damit die Folgen und
Kosten alternativen Entscheidens viel besser abschätzen als früher.
Die Stadtverwaltung Rüsselsheim ist durch die breite Formulierung
und Beschreibungen von Wirkungen auf dem Feld der
"wirkungsorientierten Steuerung" einer Stadtverwaltung in
der Bundesrepublik führend.
Landesforstverwaltung
Rheinland-Pfalz: "Betriebscontrolling in der
Forstverwaltung"
Das
Bild des Försters entspricht nicht mehr der Wirklichkeit.
Inzwischen ist er auch zunehmend als Manager gefragt. Die
Forstverwaltung Rheinland-Pfalz trägt Sorge für die Produktion und
Vermarktung von Holz und kümmert sich darum, dass der Wald Schutz für
Tiere und Pflanzen sowie Erholung für den Menschen bietet. Ebenso
wie private Waldbesitzer verkauft auch die Landesforstverwaltung
Holz an Sägewerke, Papierfabriken und andere Unternehmen. Neben den
ökologischen Aufgaben muss die Forstverwaltung daher auch die ökonomischen
Ziele im Auge behalten, zumal der Holzpreis in den letzten Jahren
stark gesunken ist. Die Einführung betriebswirtschaftlicher
Instrumente soll die Sicherung einer naturnahen Waldwirtschaft
unterstützen. Das Betriebscontrolling ist in Rheinland-Pfalz flächendeckend
verwirklicht und funktioniert sehr erfolgreich. Damit ist ein
wesentlicher Schritt verwirklicht, um den Forstbetrieb erfolgreich führen
zu können.
Senatskommission
für das Personalwesen Freie Hansestadt Bremen:
"Personalcontrolling"
In
öffentlichen Verwaltungen gibt es erst wenige systematische Ansätze
auf dem Gebiet Personalcontrolling. Hier ist das bremische Projekt
beispielhaft.
In der Hansestadt Bremen gerieten Anfang der neunziger Jahre
aufgrund von finanziellen Zwängen auch die Personalkosten in das
Blickfeld der Sparbemühungen. Das aufgelegte umfassende
Sanierungskonzept berührte den Personalbereich wesentlich; eine
Begrenzung der Personalausgaben wurde festgeschrieben. Als
Konsequenz wurde die Verantwortung für Personalausgaben und
Personalentscheidungen dezentralisiert. Parallel hierzu wurde ein
Informationssystem aufgebaut, das Aussagen über den Personalbestand
und die Personalkosten liefert sowie deren zukünftige Entwicklung
voraussagt. Im Laufe der Zeit wurden nach und nach verschiedene
Felder in die Datenanalyse einbezogen. Es ist nun möglich,
rechtzeitig Maßnahmen einzuleiten, wenn Fehlentwicklungen, z.B. in
der Altersstruktur, sichtbar werden.
Dabei geht es in Bremen nicht nur um das Sparen von Personalkosten.
Die Verwaltung verfolgt ein integratives Personalmanagementkonzept.
Besonders eindrucksvoll an der Bremer Vorgehensweise erscheint, dass
die Entwicklung der entsprechenden Software in eigener Regie
stattfand und nun sogar anderen Verwaltungen zur Verwendung
angeboten wird.
Landesregierung
Schleswig-Holstein: "Aufgabenanalyse und Aufgabenkritik"
"Ballast
abwerfen" war das erklärte Ziel, mit dem die Landesregierung
Schleswig-Holstein alle Landesministerien und die Staatskanzlei zur
Revision der eigenen Aufgaben motiviert hat. So sollten verzichtbare
Aufgaben abgebaut, andere eingeschränkt oder an nachgeordnete Behörden
oder Unternehmen abgegeben werden. Dadurch sollte auch die Kompetenz
der Landesbehörden, der Landkreise und Kommunen gestärkt werden.
Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Landesministerien und der
Staatskanzlei waren am Projekt beteiligt. Sie analysierten und
bewerteten nach einer einheitlichen Vorgehensweise ihre eigenen
Aufgaben und diskutierten anschließend in kleinen Gruppen über Veränderungs-
und Einsparvorschläge. Die Entscheidung darüber, welche Aufgaben
zukünftig wegfallen oder verlagert werden, wurde schließlich von
den Spitzen der Ministerien und der Staatskanzlei getroffen. Das von
den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern geschätzte rechnerische
Einsparvolumen beträgt 19 Prozent der Gesamtjahresarbeitszeit der
Landesregierung.
Inzwischen ist weit mehr als die Hälfte der akzeptierten Vorschläge
umgesetzt worden. Für die zehn Ressorts bedeutet das, dass in
erheblichem Maß Arbeitszeit eingespart werden konnte. Dadurch
konnten Freiräume für neue und wachsende Aufgaben ohne
Personalzuwachs geschaffen, Überlasten abgebaut und u.a. sogar erhöhte
Personaleinsparungen durch den einmaligen Weggang 58jähriger
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterstützt werden. Grundsätzlich
sind Ansätze eines geänderten Denkens und Handelns erreicht
worden. Dieses ist eine gute Grundlage für das Verständnis für
Modernisierungsvorhaben und deren Vernetzung untereinander.
Steiermärkische
Landesregierung: "Verfahrensmanagement"
Die
Beschleunigung von Verwaltungsverfahren ist ein wichtiger
Wettbewerbsfaktor bei der internationalen Konkurrenz der Standorte.
Auch in Österreich liegt den Unternehmen daran, eine rasche Antwort
auf ihre Planungswünsche zu bekommen. Mehrere Bundesländer haben
daraufhin Maßnahmen ergriffen, um das Verfahren zu verkürzen.
Für ihr erfolgreiches "Verfahrensmanagement" bekommt die
Steiermärkische Landesregierung in Graz einen
"Projektpreis". Kern ist der "Bürger- und
Projektsprechtag": In allen Bezirkshauptmannschaften stehen die
Juristen gemeinsam mit den sachverständigen Technikern bereit, um
die Pläne der Unternehmer zu begutachten. Sie erläutern den
Bauherrn, welche Skizzen und Verzeichnisse die Behörde für die
Entscheidung braucht. Auch die Anwohner können sich an die Juristen
wenden, um sich darüber zu informieren, welche Auswirkungen eine
Unternehmensansiedlung haben wird.
Mit modernen Arbeitsmethoden – ausführliche Information im
Internet, Anträge können auf Diskette eingereicht werden, die Behördenvertreter
tragen einen Laptop bei sich, von dem sie auf eine Gesetzesdatenbank
zugreifen können – ist es der Steiermärkischen Landesregierung
gelungen, über 90 Prozent der Anträge innerhalb von drei Monaten
zu entscheiden.
Gesundheitsdirektion
Kanton Zürich: "Outcome"
Im
Gesundheitssektor tut man sich mit Reformen traditionell sehr
schwer. Versuche, das Gesundheitswesen mit neuen Managementmethoden
zu reformieren, setzen sich oftmals der Kritik und dem Verdacht aus,
zu einem Qualitätsrückgang oder gar zu einer
"Zweiklassenmedizin" zu führen.
Die Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich geht hier neue,
zukunftsweisende Wege. Im Rahmen des Outcome-Projekts wurden in
vielen interdisziplinären Arbeitsgruppen Indikatoren dafür
entwickelt, wie man die Qualität von Krankenhausleistungen messen
kann. Dabei geht es nicht nur um die medizinische Behandlung,
sondern auch um die Zufriedenheit und das subjektive Empfinden der
Patienten. In mehreren Krankenhäusern wurden diese Indikatoren
anschließend erprobt, inzwischen beteiligen sich auch die anderen
Krankenhäuser des Kantons. Damit ist die Grundlage zu mehr
Transparenz im Gesundheitswesen gelegt.
Besonders hervorzuheben ist, dass verschiedene Gruppen mit sehr
unterschiedlichen Interessen ein gemeinsames Qualitätsverständnis
erarbeitet haben. Herausragend ist die gewählte Methodik: Es wurden
neben bewährten Indikatoren auch neue, experimentelle
Messinstrumente entwickelt, mit denen auch die Gefühle und das
Empfinden von Patienten in Krankenhäusern erfasst werden können.
Bundesministerium
für Finanzen, Wien: "Help" Verwaltung im Internet
Das
österreichische Bundesfinanzministerium stellt für die gesamte österreichische
Verwaltung Informationen in das Internet ein. Diese Daten können
von interessierten Bürgerinnen und Bürgern abgerufen werden. Neu
ist dabei die Verknüpfung von Informationen der Bundes-, Landes-
und Kommunalverwaltung. Besonders, wenn sich Veränderungen im
Lebensalltag ergeben, ist dieser Service sehr hilfreich, denn die
Seiten sind nach Lebenssituationen geordnet. So finden sich unter
der Adresse "help.gv.at" Informationen darüber, was man
bei Umzügen regeln muss, welche Papiere bei einer Heirat mit einem
ausländischen Staatsbürger gebraucht werden oder darüber, was man
tun muss, wenn man ein Fahrzeug an- oder abmelden möchte. In einem
"Gästebuch" können Besucher der Internet-Seiten
Anregungen machen und Wünsche äußern, die zur Fortentwicklung von
"Help" führen. Der Speyerer Projektpreis honoriert die
besonders zukunftsweisende Idee, dass die Bürger sich alle
Informationen für den Ämtergang über das Medium Internet abrufen
können.
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Stand:
06.01.2005
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