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Inhalt
Multimedia, Internet, WorldWideWeb (WWW), kurz die Informationsgesellschaft liegt zur Zeit "voll im Trend", das Thema beherrscht den Zeitgeist. Die Möglichkeit, mit Informationen schnell und ohne räumliche Begrenzung kommunizieren und sie gleichermaßen verarbeiten zu können, wird zum wesentlichen Erfolgskriterium zukünftigen Handelns.
Auch an den deutschen Kommunen geht die Entwicklung nicht vorbei. In rasantem Tempo gehen vor allem Kommunen "ans Netz". Homegepages werden eingerichtet, Arbeitsplätze (mit Kunden) vernetzt und damit Kommunikationskanäle geschaffen, mit deren Hilfe sich Verwaltungsstrukturen und -abläufe nachhaltig verändern lassen.[1]
Mit dem Schritt in die Informationskommune verbinden sich auch neue Möglichkeiten, die aktuelle Verwaltungsmodernisierung (Neues Steuerungsmodell) weiter voranzutreiben. Die neuen Kommunikationstechniken bieten vielfältige Möglichkeiten, Leistungen der Kommunen für Bürger und Kunden zu verbessern und gleichzeitig Kosten zu senken. Man denke nur an die üblicherweise mit Bürgerämtern bzw. Bürgerbüros etc. verbundene Absicht, "die Daten (Akten) und nicht den Bürger laufen zu lassen." Dieser Ansatz kann bei einer Vernetzung der Behörden mit ihren Kunden radikal ausgeweitet werden, bis zu dem Punkt, daß der Bürger nur noch zu Hause am PC aktiv zu werden braucht (wenn er das will).
Vielfältige weitere Nutzungen der neuen Techniken sind denkbar. Damit steht ein großes Potential zur Verfügung, den Kundenservice und damit die Outputorientierung der Verwaltung zu verbessern und dem Ziel, ein kommunales Dienstleistungsunternehmen zu werden, einen großen Schritt näher zu kommen.
All dies muß auch adäquat in der Praxis umgesetzt werden. Alles nur Worthülsen? Um diese Frage beantworten zu können, haben die Autoren im Rahmen des Seminars "Aktuelle Probleme der Verwaltungsmodernisierung", Prof. Dr. Klages, Hochschule für Verwaltungs-wissenschaften Speyer, alle im WWW vertretenen deutschen Kommunen[2] mit Hilfe eines Bewertungsschemas einem Test unterworfen.[3]
Geprüft wurde insbesondere, inwiefern die Internet-Angebote
der Kommunen Elemente enthalten, die eine Verbesserung des Bürger-
bzw. Kundenservices bedeuten. D.h., je mehr qualitativ hochwertigen
Bürger- bzw. Kundenservice ein Internet-Angebot bietet, desto höher
wurde dieses Angebot bewertet. Darüber hinaus floß auch auch
die Benutzerfreundlichkeit in die Bewertung ein.
Die inhaltlichen Anforderungen an eine kommunale Repräsentanz im
Internet wurden mittels folgender Anforderungspyramide klassifiziert.
Zur Erläuterung sei auf folgendes hingewiesen:
Stufe3: Partizipation (Faktor 15)
Innerhalb der einzelnen Kategorien wurden bis zu drei Punkte vergeben (0 Punkte = Information nicht vorhanden, 1 Punkt = Information spärlich vorhanden, 2 Punkte = Information überdurchschnittlich gut vorhanden, 3 Punkte = Information sehr gut präsentiert) und dann mit dem entsprechenden Faktor multipliziert. Es wurden dabei qualitative und quantitative Aspekte in die Bewertung einbezogen. Die Gewichtungsfaktoren wurden nicht in gleichen Abständen fortgeführt, sondern z.T. in größeren Abständen, um die Wichtigkeit einer Kategorie besonders hervorzuheben.
Zusätzlich zu diesen inhaltlichen Anforderungen wurde die Benutzerfreundlichkeit als formales Kriterium klassifiziert:
Die Untersuchung hat folgendes Ranking ermöglicht, wobei der Stichtag, bis zu dem die Kommunen überprüft wurden, der 16.05.1997 war:
1. Bremen
2. Bochum
3. Mannheim
4. München
5. Kaiserslautern
6. Trier
7. Kitzingen/Landkreis
8. Hamburg
9. Würzburg
10. Castrop-Rauxel und
Karlsruhe
Folgende Web-Seiten seien explizit und beispielhaft herausgegriffen:
Betrachtet man die Ergebnisse für die dem obigen Ranking zugrundeliegenden
Servicearten (Kritierien) zusammengefaßt für alle 170
auswertbaren Kommunen, dann erhält man einen Überblick über
den Stand der kommunalen Aktivitäten im WWW. Die folgende Grafik gibt
über alle Kommunen hinweg an, wie sehr die einzelnen Servicearten
"ausgeschöpft" wurden.[4]
Wie zu sehen
ist, wird das (Kommunikations)Potential des WWW noch bei weitem nicht ausgenutzt.
Stark vertreten sind bereits Selbstdarstellung der Kommunen (ca. 70%) und Boulevard-informationen (ca. 60%). Ebenfalls häufig angeboten werden Wirtschaftsinformationen (ca.50%). Der Schwerpunkt der WWW-Aktivitäten der Kommunen liegt also deutlich im Bereich der Informationsvermittlung gemäß der Anforderungspyramide. Es fällt also ins Auge, daß der Bedarf der Bürger an Unterhaltungs- bzw. Freizeitinformationen über die Kommune bereits in erheblichem Umfang Rechnung getragen wird.
In geringerem Maße, wenn auch immer noch recht häufig, stehen den Bürgern Behördeninformationen, Öffentlichkeitsinformationen und auch die Möglichkeit, mit der Verwaltung direkt elektronisch in Kontakt zu treten, zur Verfügung.
Nur sehr spärlich sind bislang noch die Hilfestellungen für die Bürger und Kunden der Kommunen, die das WWW selbst betreffen. Suchhilfen stehen in weniger als 20% der Fälle zur Verfügung und auch zu nur ca. 20% wird interessierten Bürgern, Vereinen und Unternehmen die Möglichkeit geboten, sich im WWW zu präsentieren. In diesem Zusammenhang ist allerdings festzustellen, daß sich vielfältige Initiativen im WWW finden lassen, z.B. "Bürgernetze", "Online-Vereine", in denen sich Bürger selbst organisieren.
Vergleichsweise deutlich unterentwickelt und auf jeden Fall auszubauen
ist das Potential für interaktive Leistungserbringung der Verwaltung
für ihre Kunden (elektronische Leistungs- und Ordnungsverwaltung ca.
4%) und der Kommunikation über öffentliche Belange (Partizipation
ca. 2%). Nur in ganz seltenen Fällen können die Bürger bereits
"online" Leistungen der Verwaltung abrufen, z.B. ihren Wohnsitz
ummelden und mit anderen Bürgern und der Verwaltung/Politik z.B. über
Stadtentwicklungsmaßnahmen diskutieren. Auch die Einbeziehung breiterer
Bevölkerungsschichten in das Medium WWW - durch Kioske oder Internet-Cafés
- ist noch die absolute Ausnahme.
Fazit: Das WWW wird derzeit noch vorwiegend zur Verbesserung bzw.
Optimierung der klassischen Informationsversorgung für die Bürger
und die Öffentlichkeit genutzt.
Neue Wege des Verwaltungshandelns werden bisher nur zaghaft beschritten.
Die Tür zur "Informationskommune" ist aber dennoch bereits
einen Spaltweit geöffnet.
Zum Abschluß sei noch darauf hingewiesen, daß
Fußnoten
[1] Vgl. Lohmann, W., in : die innovative Verwaltung, 2/97, S. 16-18. In Gelsenkirchen wurde ein Projekt "Multimedia Gelsenkirchen" ins Leben gerufen. Generell wollen Kommunen mehr und mehr am "Globalen Dorf" partizipieren. Statt der Orientierung an Öffnungszeiten kann der Bürger jetzt quasi 24 Stunden am Tag mit der Kommune kommunizieren.
[2] Location: http://www.entry.de /index.html. Bewertet wurden nur Internet-Angebote, die erkennbar von Kommunen erstellt (bzw. verantwortet) wurden. Außer Ansatz blieben solche Web-Seiten, die in anderer Regie, z.B. durch Universitäten, private oder kommerzielle Initiativen, getragen werden. Ein wesentliches Problem der Untersuchung war hierbei, daß die Urheberschaft einiger Web-Angebote nicht deutlich gekennzeichnet war, bzw. das private Angebote mit Städtelogos (Stadtwappen) versehen sind. Eine deutliche Unterscheidung kommunaler von anderen Angeboten ist hierdurch häufig erschwert.
[3] Da Internet-Konzeptionen der Kommunen im Fluß sind, kann diese Analyse nur einen "Status quo" abbilden. Ziel der Untersuchung ist insbesondere, Kommunen, die eine eigene Homepage aufbauen wollen, eine Orientierung zu geben bzw. Kommunen mit noch verbesserungsfähigen Homepages auf ausgereiftere Homepages anderer Kommunen zu verweisen. Schön wäre es, wenn mittelfristig ein Mindeststandard über alle Kommunen hinweg entstehen würde.
[4]
Ermittlung z.B. für das Kriterium "Selbstdarstellung": Bei
optimalem Ausschöpfungspotential können alle Kommunen je maximal
drei Punkte erreichen, also zusammen 170*3=510 Punkte. Erreicht wurden
348 Punkte, also 68,24%.
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© KaiMasser