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Bundestagswahl 2005.
Interview am Wahlabend
Herr Prof. von
Arnim, sind wir jetzt weiter als zuvor?
Die Neuwahl hat weder
für Schwarz-Gelb noch für Rot-Grün Vorteile gebracht. Die Situation ist
schlechter als bisher, weil Schröder ja die Mehrheit von Rot-Grün hinter
sich hatte. Vielmehr hat durch die vorgezogenen Wahl die neue Linkspartei
verhindern können, dass es eine klare Mehrheit in diesem Land gibt.
Insofern hat der Bundeskanzler sich, dem Parlament und dem Land einen
Bärendienst erwiesen.
Womit rechnen Sie
jetzt?
Es kommt nur eine
große Koalition in Betracht. Dass die SPD den Kanzler stellen will, wird
die Union nicht mittragen, sofern sie stärkste Fraktion bleibt. Also
droht ein Patt. Die FDP kann es sich nicht leisten umzufallen, zumal ein
großer Teil ihres Erfolges auf Leihstimmen der Union beruht.
Ist eine
Minderheitsregierung möglich?
Es sind tatsächlich
zwei Varianten denkbar: Merkel wird mit Hilfe der Union und der FDP zur
Kanzlerin gewählt - oder Schröder mit Hilfe der Grünen und der
Linkspartei. Wenn es nach zwei Wahlgängen keine absolute Mehrheit für
einen Kandidaten gibt, wählt der Bundestag im dritten Wahlgang mit
relativer Mehrheit. Dann wird Kanzler, wer die meisten Stimmen bekommt -
es sei denn, der Bundespräsident will ihn nicht ernennen. Der Präsident
muss ihn nicht ernennen, er kann auch Neuwahlen anberaumen.
Wie geschwächt ist
Merkel?
Sie hat zweifellos
verloren, ihre Stellung ist erheblich geschwächt. Aber ihr ist zugute zu
halten, dass sie einen erstaunlich ehrlichen Wahlkampf geführt hat. So,
wie der politische Gegner ihren Finanzexperten dargestellt hat, wurde Paul
Kirchhof plötzlich zur Belastung. Das hat die Union unterschätzt. Es ist
ein Sieg der Demagogie: Fischer und Schröder gegen Kirchhof; Gysi und
Lafontaine gegen die SPD.
Wie ist der Patt zu
lösen?
Wenn es jetzt zu einer
großen Koalition kommt, sollte sie zwingend über die Einführung eines
Mehrheitswahlrechts beraten. Dann bekommt eine der großen Parteien die
Mehrheit. Beim heutigen Verhältniswahlrecht geben die kleineren Parteien
den Ausschlag, dass keines der beiden Lager regieren kann und nur eine
große Koalition in Betracht kommt.
(Interview mit den
Stuttgarter Nachrichten vom 18.09.2005)
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Stand:
21.09.2005
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