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Prof.
Dr. Hans Heinrich Rupp
Hans
Herbert
von Arnim: Das
System. Die Machenschaften der
Macht. München: Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf.,2001.
ca. 350
S.; geb.: 22,90
€ ISBN 3-426-27222-9
Das
neue Buch des Staatsrechtlers und Kritikers der deutschen
Parteienstaatlichkeit zieht Bilanz aus seiner jahrzehntelangen Forschung
über Staat und Gesellschaft und resümiert: Es ist etwas faul in der
Bundesrepublik Deutschland". Um dies zu belegen, greift er hinter die
"demokratische Fassade" des politischen Systemgeflechts der
Bundes- republik, nimmt die kritischen Stellen in Augenschein und erörtert
Mög- lichkeiten und Chancen für Reformen und Verbesserungsinitiativen.
Die
behandelten Themen sind vielfältig und umfassen das ganze undurch-
sichtige Arsenal des Politikgeschehens in Deutschland, angefangen ins-
besondere vom Eigennutz der politischen Klasse und der Illusion ihrer
ausschließlichen Gemeinwohlproduktion, über die Parteienfinanzierung,
die Ämterpatronage, das Beutesystem (spoils system), die Formen der Kor-
ruption, die Rolle der Medien, den Einfluß auf das politische Denken bis
hin zu der faktischen politischen Entmündigung der Bürger zugunsten der
Parteienherrschaft.
Was
das Buch auszeichnet, sind die Reformansätze, die von Arnim, oft
unter Zuhilfenahme ausländischer Erfahrungen und kritischer Analyse von
Beschönigungsstrategien, aufzeigt. Sie münden letztlich in das Postulat,
die freiheitlich-demokratische Verfassung ernst zu nehmen und dem Bürger
das zurückzugeben, was des Bürgers ist. So etwa: Direktwahl und
zeitliche Amtsbegrenzung (term limits) für politische Führungspositionen,
offene Wahlbewerberlisten, Teilzeit für Abgeordnete, stärkere Zulassung
von Volksentscheiden, auch im Bereich des Steuer- und Finanzwesens,
Verstärkung des parteidistanzierten Sachverstandes und vieles andere.
Doch - so fragt sich von Arnim mit
Recht -: Wie und durch wen könnten die notwendigen Reformen unter den
gegebenen Bedingungen durchgesetzt und der Stein ins Rollen gebracht
werden? Von
Arnim meint, der
Entstehung einer Reformpartei stünden hohe Hürden im Wege, der
Wettbewerb sei nicht offen und chancenreich; doch erscheine ein solches
Unternehmen nicht ganz aussichtslos, wenn es gelinge, die
organisatorischen Probleme in den Griff zu bekommen. Den zweiten Weg sieht
er in der Volksge- setzgebung als Motor für Reformen; dabei setzt er sich
im einzelnen mit den vielen Kritikern dieses Wegs auseinander. Letzlich
vertraut von
Arnim auf das Bürgertum
und den politischen Bürgersinn: Fünfzig Jahre nach Inkrafttreten des
Grundgesetzes sei es an der Zeit, darüber nachzudenken, wie sich die zu
einem Parteienkartell der Macht mutierte grundgesetzliche Ordnung durch
geeignete Gegenmittel reformieren und wieder zu einer Demokratie
rekonstruieren lasse.
Das
Buch ist mit großem Ernst geschrieben und verdient es großem Ernst
gelesen und nicht vorschnell abgetan zu werden: aller Erfahrung birgt ein
langanhaltender Reformstau das Risiko, Krisen auszulösen, die dann das
Versäumte nur noch schwer nachzuholen erlauben.
(aus:
Juristenzeitung 2003, S. 354f.)
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Stand:
26.11.2007
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