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"Die
Überversorgung abspecken"
Staatsrechtler
Hans Herbert von Arnim: Politiker sollen selbst für das Alter sparen
Einschränkungen
bei der Rente, im Gesundheitssystem und bei der Arbeitslosenversicherung
sind auf dem Weg. Auch Politiker sollten ihre Altersversorgung auf den Prüfstand
stellen, fordert der Staatsrechtler Hans Herbert von Arnim im Gespräch
mit unserer Zeitung.
Die Bürger müssen immer mehr
Einschnitte insbesondere bei der Rente hinnehmen. Kommen die Politiker bei
ihren Pensionen um Abstriche herum?
Hans Herbert von Arnim: Wenn die Politik Einschränkungen
bei der Altersversorgung der Bürger durchführt, dann sollten die
Politiker mit gutem Beispiel vorangehen und ihre eigene Überversorgung
abspecken. Es ist ein demokratischer Grundsatz, dass auch die Politiker
unter den Gesetzen und Regelungen leiden sollen, die sie für andere
beschließen.
Was kritisieren Sie?
von Arnim: Die Vollversorgung der Politiker fällt regelmäßig
schon nach einem halben Arbeitsleben an, während ein normaler Sterblicher
vierzig oder fünfzig Jahre braucht, um dies anzusparen. Die Pensionen
werden außerdem nicht erst mit 65 Jahren ausgezahlt, sondern zehn oder
mehr Jahre vorher. Zudem sind die Bezüge auf sehr hohem Niveau, und es müssen
keinerlei Beiträge geleistet werden.
Deshalb wird häufig gefordert, dass sich Politiker künftig wie
Freiberufler selbst um ihre Altersversorgung kümmern sollen.
von Arnim: Das halte ich für einen sehr sinnvollen
Vorschlag. Dann müssten Politiker aus ihren laufenden Bezügen, die möglicherweise
für diesen Zweck angemessen erhöht würden, ihre gesamte
Altersversorgung finanzieren. Dann würden sie auch sehen, wie schwierig
und teuer so etwas ist. Außerdem hätten die Abgeordneten dann ein
Steuerproblem wie alle anderen Bürger. Man kann die Vorsorgeaufwendungen
nämlich nicht komplett steuerlich absetzen.
Ein weiterer Kritikpunkt: Wer Ministerpräsident, Bundesminister und
Bundestagsabgeordneter war, erwirbt mehrere Pensionsansprüche.
von Arnim: Wenn jemand mehr als eine Vollpension bekommt,
dann ist das eigentlich überhaupt nicht mehr zu rechtfertigen. Es
bestehen zwar teilweise Anrechnungsregelungen, die sind aber leider nicht
lückenlos.
Was halten Sie von dem Argument, Politiker seien im Vergleich zur
freien Wirtschaft unterbezahlt?
von Arnim: Politiker stehen im Dienste der Allgemeinheit
und werden aus Steuermitteln finanziert. Insofern sind sie mit der
Wirtschaft schlecht vergleichbar. Außerdem zählen in der Politik weniger
Wettbewerb und Leistung als bestimmte politische Kriterien. Die
allermeisten aktiven Politiker würden im privaten Beruf ohnehin viel
weniger als im Parlament verdienen.
Das
Gespräch führte Claudia Carl
(aus:
Münchner Merkur vom 24.10.2003, S. 2)
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Stand:
31.10.2003
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