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Beratergunst
Leserbrief
Zum
Bericht „Beratungsresistent“ von Peter Carstens in FAZ vom 19.12.2003
und zum Beitrag "Beziehungsschacher" von Mark Siemons in FAZ vom
22.12.2003:
Mark
Siemons analysiert den "Beziehungsschacher" durch Beratungs- unternehmen.
Peter Carstens berichtet speziell über die Verbindungen von Roland Berger
zur Politik und seine lukrativen Beraterverträge. Der Rech- nungshof prüfe,
ob "persönliche Beziehungen" zwischen "Berger und Minister
Scharping bei der Auftragsvergabe eine Rolle gespielt“ hätten.
Fest
steht aber schon jetzt, dass Berger es sehr wohl verstand, sich bei
Spitzenpolitikern Liebkind zu machen. Erinnert sei an die von den Mini-
sterpräsidenten Stoiber und Clement im Jahre 1999 berufene sogenannte
Sachverständigen-Kommission, der Berger vorsaß. Sie sollte über die
Angemessenheit der Bezüge von Regierungsmitgliedern Bayerns und
Nordrhein-Westfalens urteilen. Da für Berger, schon damals gut im Ge- schäft,
die Beratung des öffentlichen Sektors von großer Bedeutung war, nimmt es
nicht Wunder, dass der von ihm durchgedrückte Schlussbericht der
Kommission vom Herbst 2000 überaus großzügig ausfiel. (Ich selbst war
ebenfalls in die Kommission berufen worden, allerdings, wie sich all- mählich
herausstellte, vornehmlich zu Alibizwecken.) Um die Empfehlungen der Öffentlichkeit
plausibel zu machen, wurde die Verfassungswidrigkeit der steuerfreien
Zusatzeinkommen vieler Regierungsmitglieder verschleiert. Zugleich wurde
ausgeblendet, dass Minister und politische Staatssekretäre mit
Abgeordnetenmandat in Bayern und Nordrhein-Westfalen ein sehr viel höheres
Einkommen beziehen als vergleichbare hohe Amtsträger im In- und Ausland.
Auf diese Weise sollte einer gewaltigen Erhöhung der Bezüge von
Regierungsmitgliedern – bei Aufrechterhaltung der staatsfinanzierten
Altersversorgung – der Weg bereitet werden. Die Kommission schoss aber
derart über das Ziel hinaus, dass selbst Stoiber und Clement sich
erschrocken von ihren Ergebnissen distanzierten.
Vermutlich
handelte Berger nicht zuletzt aus Akquisitionsinteresse. Oder trog der böse
Schein? Die Frage stellt sich erst recht vor dem Hintergrund der jetzigen
Diskussion um das ins Gerede geratene Beratungs(un)wesen. Geht es
bisweilen gar um eine sublime Form von Korruption?
(aus: FAZ vom 2.1.2004)
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Stand:
06.01.2004
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