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Forschung aktuell
Verwaltung in Europa:
Verwaltungssysteme und -reformen in vergleichender Perspektive
Publikationsprojekt
Konzept für ein Lehrbuch/Studienbrief
an der FernUniversität Hagen
Sabine Kuhlmann & Hellmut Wollmann
(diese
Seite als
)
Der Studienbrief soll
eine Einführung in den internationalen Vergleich von Verwaltungssystemen
und -reformen geben und diese an konkreten empirischen Beispielen
veranschaulichen. Es wird zum einen ein Überblick über wesentliche
Analysekonzepte und Typologien der international vergleichenden
Verwaltungs- und Public Sector Reform-Forschung gegeben. Zum anderen
sollen markante Vertreter westeuropäischer Verwaltungstradition und
-reform vorgestellt und im Hinblick auf ihre administrative
Institutionengeschichte und -entwicklung genauer analysiert werden.
Außerdem sollen Grundlagen für ein vergleichendes Vorgehen in der
politikwissenschaftlichen Verwaltungsforschung vermittelt werden. Im
deutschsprachigen Raum gibt es bislang kein einschlägiges Lehrbuch, in
welchem Verwaltungssysteme und -reformen in Westeuropa systematisch
dargestellt und verglichen werden. Auch die inzwischen zahlreichen
Studien, Konzepte und Analyseerträge der vergleichenden
Verwaltungsforschung sind bislang nicht in Lehrbuchform aufbereitet und
synthetisiert worden. Vor diesem Hintergrund kann mit dem Studienbrief
eine Lücke in der bisherigen Palette politik- und
verwaltungswissenschaftlicher Lehrbücher geschlossen werden. Für die
Länderanalysen werden Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien,
Schweden und Großbritannien ausgewählt, da diese Länder wesentliche
Varianten und Typen westeuropäischer Verwaltungstradition und -reform
repräsentieren, deren Kenntnis unerlässlich für das europäische
Verwaltungsverständnis insgesamt ist. Der Vergleich der Reformen soll
eine Annäherung an die Frage nach einer sich abzeichnenden Konvergenz
bzw. Divergenz europäischer Verwaltungssysteme ermöglichen, wobei auf
das Theorieangebot des Neuen Institutionalismus zurückgegriffen wird.
Zur Erklärung dieser Entwicklungen werden sowohl exogene
Bestimmungsfaktoren (internationale Diskurse; EU-Integration;
Globalisierung) als auch endogene Bestimmungsfaktoren
(Akteurskonstellationen; länderspezifische Problemsituation, historische
Pfadabhängigkeiten) herausgearbeitet. Die Zielrichtung des
Studienbriefes ist eine dreifache:
Der Studienbrief ist inzwischen erschienen.
Hier finden Sie die Titelangaben und
hier das Inhaltsverzeichnis mit dem
Einleitungstext.
(1) Einführung in die Konzepte und
Analysekategorien der komparativen Verwaltungsforschung
Der/die Studierende soll mit wichtigen Forschungssträngen,
Grundkategorien und Vorgehensweisen der vergleichenden
Verwaltungswissenschaft und Public-Sector-Reform-Forschung vertraut
gemacht werden, wobei auf die folgenden Analysekategorien zum Vergleich
von Verwaltungssystemen und -reformen zurückgegriffen wird:
Staatsorganisation und Staatstätigkeit: Zum einen sollen die
Makrostrukturen der Staatsorganisation typisiert (föderal vs.
unitarisch-zentralistisch vs. unitarisch-dezentralisiert) und so die
institutionelle Einbettung von Verwaltung in das gesamtstaatliche Gefüge
charakterisiert werden. Zum anderen sind für die Erklärung von Public
Sector-Reformen die vorherrschenden politics-Strukturen im
Regierungssystem wichtig, die eine Klassifizierung nach eher majoritären
oder eher konsensorientierten Regimen erlauben, wobei insbesondere die
auf zentralstaatlicher Ebene vorherrschende Kabinettsform
(Einparteienregierung vs. minimal winning coalition vs.
Minderheitenkabinette vs. Große Koalitionen) von Bedeutung ist. Neben
den polity- und politics-Strukturen auf der Makroebene wird das
policy-Profil einbezogen, um eine Klassifizierung von
Verwaltungssystemen nach Art und Umfang öffentlicher Tätigkeit
vorzunehmen. Hier wird unter anderem auf einschlägige
Wohlfahrtsstaatsindikatoren, wie Staatsquote, Staatsbeschäftigtenquote
etc., zurückgegriffen.
Nationale Verwaltungsprofile: Bezugnehmend auf die
international vergleichende Verwaltungs- und Bürokratieforschung (comparative
public administration) wird ein Analyseraster entwickelt, um
Verwaltungssysteme auf nationaler/ (zentral-)staatlicher Ebene nach
markanten Organisations-, Prozess- und Kulturmerkmalen zu typisieren.
Hierzu gehören a) Strukturen und Prozesse (zentral-) staatlicher
Verwaltung und Ministerialbürokratie; b) Administrative Eliten und
Öffentliche Beschäftigung (civil service systems); c) Staats- und
Verwaltungskulturen/ Rechtsfamilien. Dabei werden zum einen Studien zur
Genese und zum Wandel öffentlicher Verwaltung einbezogen, in denen
Verwaltung überwiegend als abhängige Variable konzipiert ist,
insbesondere Arbeiten zur Bürokratieentwicklung und Verwaltungskultur
sowie zur Europäisierung der öffentlichen Verwaltung. Zum anderen werden
vergleichende Beiträge behandelt, die sich stärker mit der Funktions-
und Wirkungsweise öffentlicher Verwaltung beschäftigen, also diese eher
als unabhängige Variable fassen. Dies betrifft Untersuchungen zum
Zusammenhang von civil service systems und Reformfähigkeit, zur
Performanz von Verwaltungssystemen sowie zum Einfluss von
Verwaltungsreformen auf bürokratisches Rollenverhalten.
Lokale Verwaltungsprofile: Da sich Gesetzesvollzug und
Verwaltungsreform in den meisten Ländern zu einem großen, wenn nicht
überwiegenden Teil auf der subnational-lokalen Ebene abspielen, ist es
wichtig, die Studierenden mit den Analysemodellen und -erträgen der
international vergleichenden Lokalforschung (comparative local
government/ administration) vertraut zu machen. Dabei wird zum einen auf
die eher quantitativ orientierten Studien eingegangen, die mit Hilfe
quantifizierbarer Indikatoren und auf der Grundlage hoher Fallzahl das
funktionale Profil (functional responsibilities) und die faktische
Handlungsautonomie (discretion) lokaler Gebietskörperschaften messen und
entsprechende Länder-Typologien erstellen. Zum anderen werden
qualitative Studien betrachtet, die stärker die tatsächliche
Funktionsweise von Kommunalsystemen untersuchen. Ein Teil dieser Studien
bezieht sich dabei auf das horizontale Verhältnis der Politik- und
Verwaltungsakteure im lokalen System; ein anderer Teil auf die vertikale
Stellung der Gebietskörperschaften im Mehrebenensystem.
Verwaltungsreformen: Abschließend werden dominante (vergangene
und aktuelle) Reformdiskurse und -vorstöße im OECD-Kontext und deren
theoretische sowie politisch-ideologische Hintergründe vorgestellt.
Dabei wird Bezug genommen auf Fragen der Konzeptdiffusion, Reformpfade (trajectories)
und -wirkungen, wonach sich verschiedene „Regimetypen“ der Staats- und
Verwaltungsreform unterscheiden lassen.
(2) Analyse europäischer
Verwaltungssysteme
Ein wesentliches Anliegen des Lehrbuches ist es, auf der Grundlage der
erarbeiteten Analysekategorien die traditionellen Verwaltungssysteme der
sechs Länder genauer in den Blick zu nehmen. Sie sollen zunächst in
separaten „Länderanalysen“ (country-by-country) dargestellt und sodann (cross-countries)
verglichen werden. Es wird jeweils in drei Analyseschritten vorgegangen:
-
Staatsorganisation
und Staatstätigkeit
-
Verwaltungsprofil
national/zentral
-
Verwaltungsprofil
subnational/lokal
Die vergleichende Gegenüberstellung soll auch eine Einbettung der sechs
Länderbeispiele in den breiteren OECD-Kontext beinhalten, um so unter
Hinzuziehung einschlägiger Aggregatdaten/Statistiken (OECD, EIPA,
Weltbank, Council of Europe) sowie vorliegender quantitativer Studien
eine umfassendere Vergleichsperspektive zu gewinnen.
Überblick über Verwaltungsreformen in europäischen Ländern im
Vergleich
Der dritte Schwerpunkt des Lehrbuchs befasst sich mit dominanten
Verwaltungsreformansätzen auf zentralstaatlicher und subnational-lokaler
Ebene, wobei wiederum zunächst auf die sechs Beispielländer eingegangen
und diese sodann im breiteren OECD-Kontext verglichen werden. Es sollen
konkrete Modernisierungsbeispiele und -fälle einfließen, um die
Reformpraxis in den betreffenden Ländern für die Studierenden
anschaulicher und greifbarer zu machen. Im Einzelnen werden die
folgenden drei Reformfelder hinsichtlich ihrer Konzepte, Umsetzung, und
(soweit ersichtlich) Wirkung betrachtet:
-
Vertikale
Reformperspektive: Regionalisierung/Föderalisierung, De-/Rezentralisierung
von Staatsaufgaben, Funktional- und Territorialreformen
-
Horizontale
Reformperspektive: Privatisierungen, Auslagerungen, organisatorische
Verselbständigung, Vermarktlichung,
Verstaatlichung/Re-Kommunalisierung
-
Binnenadministrative
Reformperspektive: Modernisierung der verwaltungsinternen
Organisationsstrukturen, Prozesse und Steuerungsinstrumente, vor
allem nach dem Leitbild des New Public Management.
Abschließend sollen weitere Reform- und Entwicklungsperspektiven
aufgezeigt und Lernpotenziale diskutiert werden.
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Stand:
05.10.2011
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